BOSE-EINSTEIN-KONDENSATION
Während für Fermionen das chemische Potential
keiner Beschränkung unterliegt, muß es für ein ideales Bose-Gas immer kleiner oder gleich dem niedrigsten vorkommenden Einteilchenenergieniveau sein (also Null, bei entsprechender Wahl des Energienullpunkts). Das sieht man an der Form der Bose-Einstein-Verteilung:

Wenn
positiv wäre, so ergäbe diese Verteilungsfunktion für Energieniveaus
negative Werte, weil dann
gilt.
Für freie Teilchen im Dreidimensionalen findet man eine Zustandsdichte proportional zur Wurzel aus der Energie [Zustandsdichteberechnung]:

soll dabei die restlichen konstanten Faktoren zusammenfassen:

g bezeichnet den Entartungsgrad der Niveaus aufgrund des Spins s der Teilchen:
.
Um bei fester Teilchenzahl N die thermodynamischen Größen zu verschiedenen Temperaturen zu berechnen, muß man das chemische Potential aus der Normierungsbedingung für N bestimmen:

Wenn man in diese Gleichung die Zustandsdichte freier Teilchen im Dreidimensionalen
einsetzt und alle konstanten Faktoren auf die linke Seite bringt, ergibt sich:

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Das Ergebnis ist in diesem Diagramm gezeigt: Da das chemische Potential bei Bosonen nicht größer als Null werden kann, bleibt die Fugazität
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Diese Aussagen kann man auch an einem Diagramm des chemischen Potentials gegen die Temperatur erkennen. Hier sind Temperatur
und chem. Potential
dimensionslos gemacht worden:

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Beim idealen Fermi-Gas geht das chemische Potential bei einer gewissen Temperatur durch Null und nimmt unterhalb dieser Temperatur positive Werte an. Am Temperaturnullpunkt geht es gegen die Fermienergie. Dagegen kann man ein chemisches Potential für das ideale Bose-Gas nach der oben gegebenen Normierungsbedingung nur berechnen, solange die Temperatur T nicht unter
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Um diese kritische Temperatur
zu berechnen, kann man in der Normierungsbedingung
entsprechend
einsetzen. Das führt auf
. Nach Auswertung des Integrals
ergibt sich für
in Abhängigkeit von der Dichte:
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Bis auf einen Zahlenfaktor kann man diese Bedingung auch in der Form

schreiben, mit der thermischen de-Broglie-Wellenlänge
zur Temperatur
: Die kritische Temperatur wird dann erreicht, wenn die Teilchenabstände vergleichbar mit der Materiewellenlänge werden, die den Teilchen aufgrund ihrer Wärmebewegung zugeordnet werden kann.
Was passiert für
?
Die Bosonen besetzen in zunehmender Zahl den Grundzustand. Diesen Vorgang bezeichnet man als "Bose-Einstein-Kondensation". Zur Beschreibung dieses Verhaltens ist die kontinuierliche Zustandsdichte nicht mehr ausreichend: Die Ersetzung der Summe durch das Integral

ist nicht mehr zulässig, wenn die Verteilungsfunktion sich schnell ändert auf der Skala des Abstandes der Einteilchenenergieniveaus. Das ist der Fall, sobald die Verteilung auf den Grundzustand konzentriert ist.
Um das wahre Verhalten in erster Näherung richtig zu beschreiben, spaltet man von dem Integral den Grundzustandsterm ab:

Das Integral über die restlichen Zustände wird weiterhin wie oben angegeben ausgewertet. Es ist gleich

Da die Bedingung für die kritische Temperatur gerade
war, kann man den Wert des Integrals auch so ausdrücken:

Die Grundzustandsbesetzung
ergibt sich dann aus der Normierungsbedingung für die Teilchenzahl:

Also folgt
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Da die Energie des Einteilchengrundzustandes gleich Null ist, tragen zur Gesamtenergie des Systems nur diejenigen Teilchen bei, die nicht im Kondensat (im Grundzustand) sind.
Diese Energie ergibt sich durch Mittelwertbildung mit Hilfe der kontinuierlichen Zustandsdichte:

Wenn man das Integral auswertet und die konstanten Vorfaktoren durch
ausdrückt, erhält man:

Durch Differenzieren nach T findet man die Wärmekapazität bei konstantem Volumen
:

Über
findet man damit auch die Temperaturabhängigkeit der Entropie:

E und S setzt man in die freie Energie ein:

Die Gleichheit von
und
folgt aus
. Wegen
hat man also auch hier, genauso wie beim idealen Fermi-Gas:

Einsetzen der Beziehung für E ergibt, daß der Druck für
unabhängig vom Volumen wird und für
gegen Null geht. Dies ist verständlich, weil die Teilchen im Kondensat keine Kraft auf die Behälterwand ausüben:

Weitere Ergebnisse (die hier nicht hergeleitet werden):
verschwindet quadratisch für
und hat eine unstetige zweite Ableitung. Alle typischerweise berechneten thermodynamischen Größen (bis zu den zweiten Ableitungen der Potentiale) sind stetig. Jedoch springt die Ableitung der Wärmekapazität nach T.
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Verlauf der Wärmekapazität für das ideale Bose-Gas im Dreidimensionalen: Bei der Phasenübergangstemperatur
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Isothermen des idealen Bose-Gases: Am Phasenübergangspunkt ist die zweite Ableitung des Druckes nach dem Volumen unstetig. Für kleinere Volumina bleibt der Druck konstant, denn bei Kompression wird nur die Zahl der Teilchen im Kondensat erhöht. (Beide Diagramme sind freundlicherweise von Alexander Weisse zur Verfügung gestellt worden)
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Alle hier gezeigten Ergebnisse sind gültig für ein ideales Bose-Gas im Dreidimensionalen (Für niedrigere Dimensionen wird
bei endlichen Temperaturen nicht gleich Null). Natürlich gibt es in der Natur kein ideales, d.h. wechselwirkungsfreies, Gas aus Bosonen (...mit Teilchenzahlerhaltung; bei Photonen z.B. hat man
für alle Temperaturen). Im allgemeinen setzt schon bei viel höheren Temperaturen als
die Kondensation des Gases zur Flüssigkeit ein, welche durch die Wechselwirkung und nicht durch die Quanteneffekte bedingt ist. Deshalb muß man zur Beobachtung der Bose-Einstein-Kondensation Teilchen mit schwacher Wechselwirkung wählen und die Dichte des Gases relativ klein halten. Das bedeutet aber auch, daß die Kondensationstemperatur
sehr niedrig wird. 1995 ist die Bose-Einstein-Kondensation von Cs, Rb, Na-Atomen experimentell verwirklicht worden.
Für ein ideales Bose-Gas handelt es sich bei der Bose-Einstein-Kondensation um einen Phasenübergang dritter Ordnung, in der Realität findet man einen Übergang zweiter Ordnung.
Informationen zur Bose-Einstein-Kondensation auf dem WWW
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Auf dieser Seite finden sich ein Bild der Atomwolke vor und nach der BEK, eine kurze Erklärung der Experimente dazu und eine Anzahl weiterer Links zu dem Thema.
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